Wurzener Extrablatt - 2/2024
Wir schaffen nicht nur Gebäude, sondern auch eine Unternehmenskultur, auf die wir stolz sind

Herr Pfennig, Sie führen eine mittelständische Unternehmensgruppe, zu der auch die Pfennig Bau GmbH gehört, die vor kurzem die Renovierung der Musikschule Wurzen abgeschlossen hat. Was bedeutet dieses Projekt für Sie und Ihr Team?
David Pfennig: Unser Team von Pfennig Bau hat bei der Denkmalsanierung und Altbausanierung erneut gezeigt, was es kann. Die Restaurierung der Musikschule Wurzen, insbesondere der aufwendigen Außenfassade mit kunstvollen Stuckelementen, Putzarbeiten sowie Sockel- und Sims-Arbeiten, war für uns eine besondere Herausforderung. Jetzt erstrahlt das Gebäude wieder in neuem Glanz und ist bereit, mit Musik und Leben gefüllt zu werden. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für die hervorragende Zusammenarbeit!
Dieses Projekt lag uns besonders am Herzen. Schulen sind Orte, an denen die Zukunft gestaltet wird, und unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, Gebäude instand zu setzen. Wir schaffen Räume, in denen Bildung und Kreativität gefördert werden. Dabei geht es um mehr als bloßes Renovieren – es ist eine Chance, unsere Werte und Philosophie in die Praxis umzusetzen.
Ein Beispiel, das uns besonders berührt hat: Ein ehemaliger Mitarbeiter, der 2015 als Flüchtling zu uns kam, absolvierte bei uns seine Ausbildung und war sieben Jahre bei uns tätig. Die Musikschule war seine letzte Baustelle, bevor er seinen Traum verwirklichte und ein Restaurant in Döbeln eröffnete. Natürlich haben wir einen guten Mitarbeiter verloren, aber es erfüllt uns mit Stolz, seine Entwicklung begleitet zu haben.
Sie sprechen von Werten. Welche Rolle spielen diese in Ihrem Unternehmen?
David Pfennig: Eine sehr zentrale. Unsere Unternehmenskultur basiert auf einem respektvollen Miteinander, und das leben wir täglich. Es ist uns wichtig, dass jeder Mitarbeiter Verantwortung übernimmt und sich in Entscheidungen einbringen kann. Unsere Werte prägen den Umgang miteinander – jeder Einzelne wird ernst genommen, und Ideen und Meinungen werden geschätzt. Das stärkt nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern schafft auch Vertrauen und Klarheit.
Wie setzen Sie das konkret um?
David Pfennig: Vor etwa drei Jahren haben wir ein Kultur- und Werteteam in der Firma gegründet. Dieses Team besteht aus Mitarbeitern aus allen Bereichen – vom Azubi über Fachkräfte bis hin zum Facharbeiter auf den Baustellen. Es ist bewusst ohne Führungskräfte aufgestellt, damit ein ehrlicher und ungefilterter Austausch möglich ist. So erhalte ich direkt Rückmeldungen aus der Belegschaft, etwa wenn es jemandem nicht gut geht oder Verbesserungen nötig sind.
Ein klar definiertes Wertesystem hilft dabei enorm. Es gibt Transparenz und sorgt dafür, dass wir Probleme offen ansprechen können, ohne drumherum zu reden. Jeder weiß, was in Ordnung ist und was nicht. Diese Klarheit ist nicht nur intern wichtig, sie unterstützt uns auch bei der Mitarbeitersuche und der Kundenakquise.
Das klingt nach viel Vertrauen in Ihre Belegschaft.
David Pfennig: Absolut. Vertrauen ist die Grundlage unserer Arbeit. Unser Team ist unglaublich vielfältig – Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen arbeiten bei uns, und genau das bereichert uns. Diese Vielfalt an Perspektiven führt dazu, dass wir kreative und innovative Lösungen finden. Es funktioniert, weil wir ein Klima des Respekts und des Vertrauens geschaffen haben.
Auf dem Firmenfoto sieht man hauptsächlich Männer. Gibt es in der Baubranche wenig Interesse von Frauen?
David Pfennig: Das ist in der Tat ein Thema. Die meisten unserer rund 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind Männer. Die Berufe im Bauhandwerk sind körperlich anspruchsvoll und werden traditionell von Männern dominiert. Unsere Mitarbeiterinnen arbeiten lieber in administrativen Bereichen oder in der Planung.
Bei der Ausbildung von Frauen sieht es besser aus. Bisher haben wir drei Maurerinnen ausgebildet und eine ist gerade in der Ausbildung.
Meine Tochter erlernt derzeit den Beruf des Maurers in Kombination mit ihrem dualen Studium des Bauingenieurwesens (in einem anderen Unternehmen). Das verschafft ihr einen direkten Einblick in die praktische Arbeit auf der Baustelle und fördert das gegenseitige Verständnis.
Natürlich ist der Maurerberuf für viele Frauen noch immer unattraktiv, aber wir bieten Praktika und Möglichkeit, sich auszuprobieren. Dieses Angebot nutzten gerne Frauen, die anschließend ein Studium beginnen wollen.
Es gibt auch noch andere Formen der Vielfalt bei uns: Zeitweise waren bei uns Menschen aus bis zu elf Nationen beschäftigt.
Darüber hinaus bieten wir sechs Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung auf Außenarbeitsplätzen an, um ihre berufspraktischen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen zu erweitern. (über die Lebenshilfe)
Davon wird eine Person in Kürze in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen.
Vielfalt gibt es bei uns auch in anderer Form: Wir beschäftigen Menschen aus bis zu elf Nationen und bieten sechs Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, sich in unserer Unternehmensgruppe beruflich zu entwickeln.
Wie gehen Sie als Führungskraft damit um, wenn Meinungen und Ideen im Team auseinandergehen?
David Pfennig: Unterschiedliche Meinungen sind wichtig und bereichernd. Bei uns gibt es eine positive Fehlerkultur – Fehler sind keine Katastrophen, sondern Chancen zur Verbesserung. Wenn wir bei einem Projekt unterschiedlicher Ansicht sind, diskutieren wir offen, um die beste Lösung zu finden. Am Ende zählt, dass das gesamte Team die Entscheidung mitträgt.
Wichtig ist für mich immer, zu verstehen: Liegt ein Problem an einem menschlichen Fehler oder an einem systemischen? Daher haben wir in den letzten anderthalb Jahren ein Firmenhandbuch erstellt, das mittlerweile 284 Seiten umfasst. Es hilft uns, klare Prozesse zu definieren und sicherzustellen, dass alle nach den gleichen Standards arbeiten.
Viele Unternehmen sprechen von Teamarbeit, aber bei Ihnen scheint das wirklich gelebt zu werden.
David Pfennig: Bei uns ist Teamarbeit keine leere Phrase. Wenn jemand ausfällt, springen andere ein, ohne dass sie darum gebeten werden müssen. Wer krank ist, bekommt Unterstützung. Uns geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch um das Wohl unserer Mitarbeiter. Das schafft ein Umfeld, in dem sich jeder wertgeschätzt fühlt und gerne zur Arbeit kommt.
Wie schaffen Sie es, diese Unternehmenskultur in einer Branche aufrechtzuerhalten, die oft für harte Arbeitsbedingungen bekannt ist?
David Pfennig: Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich. Unser Motto lautet: „Wir erwarten keine Rolltreppe, wenn wir einen Berg vor uns sehen.“ Herausforderungen gehören dazu, aber wir stellen uns ihnen gemeinsam. Diese Einstellung motiviert unser Team und bringt uns als Unternehmen voran.
Was würden Sie einem potenziellen neuen Mitarbeiter sagen, der überlegt, bei Ihnen anzufangen?
David Pfennig: Ich würde sagen: Bei uns findest du mehr als nur einen Job – du findest ein Team, das füreinander da ist. Hier kann jeder Verantwortung übernehmen und an Projekten mitarbeiten, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich einen positiven Beitrag leisten. Wir schätzen unsere Mitarbeiter und bieten ihnen ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich entwickeln können.
Zum Abschluss: Was macht Sie besonders stolz, wenn Sie auf Ihr Unternehmen blicken?
David Pfennig: Am meisten stolz bin ich auf die Menschen, die bei uns arbeiten. Sie sind das Herzstück des Unternehmens. Wir haben es geschafft, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der jeder Einzelne zählt und sich unterstützt fühlt. Trotz aller Herausforderungen haben wir gemeinsam viel erreicht – und das macht uns stark für die Zukunft.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Pfennig. Ich bin sicher, dass viele Leser und Leserinnen nach diesem Einblick denken: „In diesem Unternehmen würde ich auch gerne arbeiten.“
David Pfennig: Das würde mich sehr freuen! Dankeschön.